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Thema Fahrzeuge & Mobilität vom 24.09.2009 @ 18:24:40 CEST


IAA in Frankfurt als Elektro-Show


Die Mobilität von morgen sieht grün aus. Fast alle Autokonzerne präsentieren auf der 63. Internationalen Automobil Ausstellung (IAA), die noch bis zum 27. September in Frankfurt am Main stattfindet, mindestens ein Elektrofahrzeug und werben mit vielen grünen Blättern und Marinenkäfern für „saubere“ Antriebe. An erster Stelle stehen aber nach wie vor die Gelände- und Sportwagen. Die Medien honorieren diese Trendwende, indem sie von einer „grünen Woche“ oder einer „grünen Welle“ auf der IAA berichten. Die Frage ist nur, ob es sich dabei um eine einzelne Welle handelt, die schnell wieder abebbt, oder ob sie sich zu einer Strömung entwickeln kann…

Derzeit kann mit Attributen wie „elektro“, „sparsam“ und „schadstoffarm“ gut geworben werden. Auf vielen Autotüren prangten die CO2-Angaben. Niedrige Emissionswerte und geringer Spritverbrauch sind die neuen Verkaufsargumente. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, die wegen der IAA-Eröffnung die Spitzenkandidatenrunde in ARD und ZDF abgesagt hatte, versuchte sich am Thema Elektromobilität und nahm probeweise im BB1 von Peugeot Platz. Der nur 2,50 Meter lange Viersitzer wird mit Radnabenmotoren an der Hinterachse angetrieben. Dank der Lithium-Ionen-Batterie verfügt er über eine Reichweite von 120 km. Auch der iOn, den Peugeot Ende 2010 als vollelektrisches Auto auf den Markt bringen möchte, stieß auf Merkels Interesse. Der schafft sogar 130 km.

Matthias Wissmann, Präsident des veranstaltenden Verbandes der Automobilindustrie (VDA), nannte die größte automobile Herausforderung, „eine bezahlbare, leichte und leistungsfähige Batterie für ein reines Elektroauto herzustellen. Die Batterien kosten heute zwischen 6.000 und 15.000 Euro. Das ist für den Normalverbraucher praktisch nicht bezahlbar.“ Wolfgang Schneider, der Europa-Vizepräsident von Ford, benennt die Anforderungen an neue Batterien: „Der Durchbruch in der Elektromobilität kann nur über die Batterie kommen. Sie muss leichter und vor allem billiger werden.“ Mit Blick auf Frankreich und Norwegen, wo zumindest ein Teil der Mehrkosten eines Elektroautos vom Staat abgedeckt werden, forderte er gezielte staatliche Fördermaßnahmen: „Die Bundesregierung sollte Elektroautos zumindest zu Beginn der Markteinführungsphase durch steuerliche Anreize unterstützen, um den hohen Kaufpreis dieser Null-Emissions-Fahrzeuge zu kompensieren.“

Bernhard Mattes, der Deutschland-Chef von Ford, warnte denn auch vor verfrühter Euphorie: „Die Vorstellung, dass wir alle in zehn Jahren mit Elektroautos fahren, kann ich nicht teilen.“ Ähnlich äußerte sich Carl-Peter Forster, Europachef von General Motors, gegenüber Welt online: „Viele Hersteller zeigen Elektroautos auf ihren Ständen und alle denken, in fünf Jahren werden 100 % des Marktes auf diese Fahrzeuge entfallen. Dem wird aber nicht so sein.“ Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland gerade einmal 38 Elektroautos neu zugelassen.

Den größten Schritt wagte Renault, der bei seiner Pressekonferenz gleich vier neue Konzepte präsentierten. Dazu zählte auch der Fluence Z.E. Concept, die Elektroversion des Fluence, der das Resultat einer zweijährigen Entwicklungspartnerschaft mit Better Place darstellt: Ein fünfsitziges Familienauto mit 327 l Stauraum und einer Reichweite von 160 km, das von dem israelischen Unternehmen ab der ersten Jahreshälfte 2011 nach Israel importiert und dort angeboten werden soll. Außerdem will Renault die Elektrolimousine in Dänemark vertreiben. Beide Unternehmen verständigten sich darauf, in beiden Ländern bis zum Jahr 2016 mindestens 100.000 Exemplare auf den Markt zu bringen. Shai Agassi, Gründer und Geschäftsführer von Better Place, sagte: „Beide Partner präsentieren ein massenmarktfähiges Elektrofahrzeug, das praktikabler und günstiger ist als ein herkömmliches Auto mit Verbrennungsmotor. Wir sind uns sicher, dass diese Art der Zusammenarbeit sowie die Einführung emissionsfreier Automobile sowohl die Wende für die Automobilindustrie mit sich bringt als auch dabei hilft, die CO2-Emissionen auf unserem Planeten zu verringern.“

Zur Bekräftigung ihrer Absicht, führender Anbieter für Elektrofahrzeuge weltweit werden zu wollen, unterzeichnete Renault auf der IAA auch mit dem Energieversorger RWE ein Abkommen zur Förderung emissionsfreier Mobilität in Deutschland. Beide Konzerne einigten sich darauf, die ersten 100 Vorserien-Elektrofahrzeuge ab Ende 2010 einzusetzen. 2012 soll mit der Vermarktung dieser Fahrzeuge in großem Volumen begonnen werden. Carlos Ghosn, Vorstandsvorsitzender und CEO von Renault und Nissan, erklärte dazu: „Dank unserer Partnerschaft mit RWE werden wir unseren deutschen Kunden erschwingliche, leistungsstarke, qualitativ hochwertige und komfortable Elektrofahrzeuge anbieten können.“


Autor: Sven Geitmann

Redaktion













     
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