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Thema Photovoltaik (Solarstrom) vom 22.07.2009 @ 18:29:04 CEST


Was hat Afrika von Desertec?


Die Grundidee ist schon alt: Solarenergie aus der Sahara wird nach Europa exportiert, um die dortigen Energieprobleme zu lösen. Ist dies aber tatsächlich die Lösung? Ökologisch betrachtet könnte dieses Projekt Sinn machen, weil dadurch fossile Energieressourcen geschont werden, aber ist es auch ökonomisch sinnvoll? Wie viel Arbeit und Geld muss investiert werden und wie hoch sind die Transportverluste? Noch wichtiger sind allerdings die Fragen: Werden auch die Anrainerstaaten Nordafrikas am sauberen Strom teilhaben können? Wäre eine dezentrale Energielösung in modernen Zeiten vielleicht angebrachter, um das Oligopol der Großkonzerne zu durchbrechen?

Bereits im Jahr 1982 spielte Ludwig Bölkow, damals noch MBB, mit diesem Gedanken. Die Ludwig Bölkow Systemtechnik GmbH griff dann später diese Idee auf und ergänzte sie um Wasserstoff, der als Energiespeicher für den Transport dienen sollte. Der Club of Rome nahm den Gedanken auf und Anfang dieses Jahrzehnts machte auch das DLR Studien zu diesem Thema, auf denen die nun erfolgte Gründung von Desertec basiert.

Die Grundidee scheint demnach aus deutschen Landen zu stammen und es sind auch deutsche Unternehmen, die sich jetzt hauptsächlich an der Realisierung beteiligen wollen. Wie die Tagesschau am 16. Juni 2009 meldete, ist der jetzige Initiator ein großer Finanzkonzern, die Münchner Rück, der weitere große Konzerne für ein Konsortium gewinnen will.

Mittlerweile hat sich eine Desertec-Foundation formiert, eine Stiftung, die den gemeinsamen Umbau der Energieversorgung im Norden Afrikas und Arabiens, aber auch in Europa hin zu regenerativen Energieträgern wie Sonne, Wind, Geothermie und Biomasse anregt und unterstützen will. Unabhängig davon gibt es aber auch noch die Desertec-Initiative, die sich am 16. Juli 2009 gegründet hat. Dies ist ein Industriekonsortium aus vorrangig deutschen Firmen (ABB, Deutsche Bank, E.ON, HSH Nordbank, MAN Solar Millennium, Muenchener Rueck, M+W Zander, RWE, SCHOTT Solar und Siemens), die zwei Vorschlägen der Stiftung übernommen hat: den Aufbau von solarthermischen Kraftwerken in Nordafrika und den Aufbau eines Hochleistungsstromnetzes, mit dem Solarstrom nach Europa transportiert wird.

Beim Bau der Solarkraftwerke könnte die Technologie von Solar Millennium zum Einsatz kommen. Das Erlanger Unternehmen baut in Spanien bereits das dritte Parabolrinnenkraftwerk. Diese Technik wird mittlerweile seit 25 Jahren erprobt. Außerdem verfügt es über Know-how im Bereich der Solar Tower, die einen Wirkungsgrad von etwa 13 bis 18 Prozent erreichen, was für Sonnenkraftwerke ein guter Wert ist.

Hans Müller-Steinhagen vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Stuttgart erklärt, warum Solarkraftwerke besser geeignet sind als Photovoltaikanlagen: „Mit diesen solarthermischen Kraftwerken werden diese Länder in zehn bis 15 Jahren in der Lage sein, wirtschaftlich, wettbewerbsfähig und zunehmend günstiger als in fossilen Kraftwerken ihren eigenen Strombedarf zu decken. Der zweite wichtige Punkt ist der, dass man solarthermische Kraftwerke mit Meerwasserentsalzungsanlagen koppeln kann. Das heißt, diese Länder werden in der Lage sein, ihren eigenen, zunehmenden Wasserbedarf für Trinkwasser und für Bewässerung zu decken, und der dritte und letzte Punkt ist natürlich der, durch den Export von Strom eröffnet sich für diese Länder ein zukünftiges Einko

mmen, das ihnen helfen wird, ihre Wirtschaft, ihre Lebensqualität auszubauen.“ Mit einer speziellen Speichertechnik können solarthermische Kraftwerke zudem rund um die Uhr Strom liefern. Solarzellen dagegen nur, wenn die Sonne scheint.

Kritiker dieser Idee bemängeln jedoch, dass derartige Überlegungen in die Irre führen. Sie unterstellen der Desertec-Initiative, dass diese keineswegs an einer wirtschaftlichen Beteiligung der Nordafrikanischen Staaten interessiert sind. Die dortige Fläche soll zwar genutzt werden, aber in wie weit die eingesetzte Technologie auch diesen Staaten zu Gute kommt, ist noch offen. Ihr primäres Ziel sei, zentral große Mengen Strom erzeugen zu wollen, um ihren Einfluss auch im nach-fossilen Energiezeitalter sichern zu können. MdB Dr. Hermann Scheer, Präsident von EUROSOLAR, meldet darüber hinaus noch weitere Bedenken an. Er warnt „vor voreiligen übertriebenen Erwartungen an dieses Projekt und diesbezügliche Subventionsentscheidungen.“ Dabei spielt er vorrangig auf die tatsächlichen Kosten an, die seiner Meinung nach mit 400 Mrd. Euro noch relativ niedrig angesetzt sind.


Autor: Sven Geitmann Foto: Solar Millennium, Andasol 1


Schlagworte:
Parabolrinnenkraftwerk, Solar Tower, Sonnenkraftwerke, Strom aus Afrika, Strom für Europa, Infos Desertec-Initiative, Solarthermie in der Wüste

Redaktion













     
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