 | Thema Fahrzeuge & Mobilität vom 01.07.2009 @ 07:31:44 CEST
Bundesregierung setzt auf Elektromobilität
Alle reden momentan von Elektrofahrzeugen, so, als wenn das eine ganz neue Entwicklung wäre. Dabei ist die Antriebstechnik schon älter als der Verbrennungsmotor. Damals setzten sich jedoch Otto- und Dieselmotoren gegenüber den Elektromotoren für den Fahrzeugantrieb durch. Die Bundesregierung investiert jetzt viele Millionen Euro, um dem E-Antrieb doch noch eine Chance einzuräumen – spät, aber vielleicht besser als nie…
Viele Experten prognostizieren für die Automobilbranche und ihre Zulieferer einen wahren Boom auf dem Weg zum Elektroauto. Zu diesem Ergebnis kommt auch die neue Studie der Münchner Absolut Asset Managers AG. In dieser Analyse, die im Mai 2009 vorgestellt wurde, ist die Rede von einer wahren „Revolution in der Automobilbranche“. Weiter heißt es: „Überdurchschnittliche Wachstumschancen bei Herstellern und Zulieferern von alternativen Antrieben sind zu erwarten.“
Ab dem Jahr 2015 rechnen die Autoren der Studie mit dem Elektroauto als Massenphänomen. Konkret heißt es: „Ab dem Jahr 2015 soll es einer Studie der Fachhochschule Gelsenkirchen zufolge überwiegend nur noch Elektroautos oder Hybridfahrzeuge geben. Der klassische Verbrennungsmotor wird laut der Untersuchung des Center of Automotive Research (CAR) sukzessive vom Markt verschwinden.“ Und weiter: „Das Center of Automotive Research geht davon aus, dass vom Jahr 2025 an alle in Europa verkauften Pkw reine Elektroautos, Parallel-Hybrid- oder Seriell-Hybrid-Fahrzeuge sein werden.“
Um darauf vorbereitet zu sein, hat die Bundesregierung beschlossen, ein spezielles Förderprogramm zu starten: Modellregionen Elektromobilität. In diesem Förderprogramm soll der Aufbau und der Betrieb einer Infrastruktur für Elektromobilität gezielt erprobt werden. Die Koordinierung und Steuerung des Programms übernimmt die Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW). Die NOW GmbH wurde erst 2008 vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) gegründet und kümmerte sich bisher um die Förderung der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnik im Rahmen des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff und Brennstoffzellen (NIP). Dazu erklärte Dr. Klaus Bonhoff, Vorsitzender der Geschäftsführung der NOW: „Brennstoffzellen und Batterien sind beides Schlüsseltechnologien für nachhaltige Mobilitätskonzepte. Die Umsetzung des NIP und der Modellregionen Elektromobilität aus einer Hand ist deshalb richtig. Mit der NOW besteht eine Struktur, die sich bereits in der Umsetzung des NIP als Schnittstelle zwischen Bund, Industrie und Wissenschaft bestens bewährt hat.“
Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee hatte bereits während der Hannover Messe festgestellt: „Wir haben die Chance, Deutschland aus der Krise heraus zu einem Leitmarkt bei neuen Technologien zu machen und dadurch zukunftsfeste Arbeitsplätze zu schaffen. Wir sind so stark aufgestellt. […] Mit den Modellregionen bringen wir elektrisch angetriebene Fahrzeuge auf die Straße, testen sie und machen sie marktfähig. Zudem geht es um den Aufbau entsprechender Ladeinfrastrukturen. Wir bringen alle Akteure an einen Tisch und entwickeln so ein Konzept ‚Elektromobilität’ aus einem Guss. Zudem werden wir mit 15 Mio. Euro ein Batterietestzentrum ausbauen. Weitere 20 Mio. stehen für neue Wasserstofftankstellen bereit.“
Insgesamt sind im zweiten Konjunkturpaket 500 Mio. Euro für das Thema Elektromobilität bereitgestellt, um Deutschland zum Leitmarkt für Elektromobilität zu machen. Die finanziellen Mittel speziell für die Modellregionen betragen 115 Mio. Euro und kommen vom BMVBS. Die Laufzeit beträgt zwei Jahre. Im Einzelnen geht es bei dem neuen Programm um die systematische Förderung von Personenkraftwagen, öffentlichem Nahverkehr, Liefer- und Nutzfahrzeugen sowie Zweirädern mit alternativen, elektrischen Antrieben. Sie sollen auf ihre Alltagstauglichkeit getestet werden. Zudem sind Mittel vorgesehen, um den Aufbau eines Netzes von öffentlich zugänglichen Ladestationen voranzutreiben.
Erste Modellregionen wurden bereits aus insgesamt 130 Bewerbungen ausgewählt: Berlin/Pot
sdam, Bremen/Oldenburg, Hamburg, München, Rhein-Main, Rhein-Ruhr mit den Kompetenzzentren Aachen und Münster, Sachsen (mit Schwerpunkten Dresden und Leipzig) und Stuttgart. Die Regenerative Modellregion Harz (RegModHarz) wird voraussichtlich ebenfalls eine Bundesförderung erhalten. In diesem Fall wird sich das Bundesumweltministerium voraussichtlich mit 7 Mio. Euro aus dem Konjunkturpaket II im Rahmen eines Elektromobilitätsprojekts in Sachsen-Anhalt engagieren. Das geplante Vorhaben wird vorbereitet von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, der Fraunhofer-Gesellschaft IFF, der Hochschule Harz, dem ISET-Institut an der Universität Kassel, E.ON Avacon, mehreren Stadtwerken im Landkreis Harz und dortigen Einspeisern Erneuerbarer Energien. Inhalt des neuen Projektes unter der Überschrift „Harz.EE-mobility“ ist die Erforschung, Entwicklung und Integration von Elektromobilität auf Basis regenerativer Energien in regionale Energieversorgungsstrukturen. Das Bundesumweltministerium geht davon aus, dass im Jahre 2020 in Deutschland rund 1 Mio. Elektrofahrzeuge betrieben werden können, ohne dass dazu der Bau neuer Großkraftwerke erforderlich sei.
Autor: Sven Geitmann
Schlagworte: infos elektrofahrzeuge, infos elektroautos, infos hybridfahrzeuge, infos elektromobilitätsprojekt, entwicklung elektrofahrzeuge
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