 | Thema Brennstoffzellen vom 27.04.2009 @ 09:40:23 CEST
Brennstoffzellenbranche trotz der Krise
Vom 20. bis zum 24. April 2009 hat in Hannover der 15. Gemeinschaftsstand Wasserstoff und Brennstoffzellen im Rahmen der weltweit größten Industriemesse stattgefunden. Knapp 150 internationale Aussteller zeigten den interessieren Besuchern der Leitmesse Energy neue Entwicklungen. Für die europäische Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Branche war diese Leistungsschau wieder einmal ein Jahres-Highlight, das neue Hoffnungen weckt und einen möglichen Weg aus der aktuellen Wirtschaftskrise aufzeigt…
„Über eine Stunde hat sich Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee für die Aussteller des Gemeinschaftsstandes Wasserstoff und Brennstoffzellen am ersten Messetag Zeit genommen. Dann hielt er auf der Pressekonferenz noch eine fast halbstündige Rede, die einer Regierungserklärung gleich kam.“ Tobias Renz, der Organisator des Gemeinschaftsstandes, zeigte sich bereits bei seiner Zwischenbilanz am dritten Messetag sichtlich zufrieden. Auch seine vorweg gegangenen Bemühungen, die Smart Fuel Cell GmbH (SFC) auf seinen Stand zu locken, waren ein voller Erfolg. Der Brunnthaler Hersteller von Direktmethanolbrennstoffzellen-Systemen zeigte zudem auf der extra für ihn eingerichteten Freifläche insgesamt ein Dutzend BZ-Fahrzeuge und sorgte mit dem Ride-&-Drive-Angebot bei den Besuchern für viel Begeisterung.
Für die Messebesucher war der SFC-Stand eine Besonderheit, weil hier tatsächlich marktreife Systeme präsentiert wurden, während andernorts vielfach nur Mock-ups oder Prototypen zu sehen waren. Dieser Umstand führte auch dazu, dass sich zahlreiche hochrangige Politiker die Technik von Podesser erklären ließen. Neben dem brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck nahm beispielsweise auch der Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee auf einem Elektroroller Platz, der mit einer EFOY-Pro-Brennstoffzelle betrieben wird. Die Präsenz von Smart Fuel Cell auf der Messe war darüber hinaus auch für die Mitaussteller ein Gewinn, weil die Bayern exemplarisch veranschaulichten, wo die Entwicklung der gesamten Brennstoffzellenbranche hingegen soll.
Eines der Schwerpunktthemen auf dem Gemeinschaftsstand von Tobias Renz FAIR-PR ist schon seit Jahren die Hausenergieversorgung. Die Baxi Innotech GmbH präsentierte auf dem Gemeinschaftsstand der Initiative Brennstoffzelle (IBZ) die mittlerweile dritte Entwicklungsstufe ihres BZ-Heizgerätes: die GAMMA 1.0. Gegenüber ihrem Vorgänger (BETA 1.5) erzielt dieses Modell höhere Wirkungsgrade, geringere CO2-Emissionen und verfügt über eine längere Lebensdauer (20.000 Stunden) bei gleichzeitig reduzierten Kosten. Während des Entwicklungsprozesses erfuhr die gesamte Steuerungssoftware eine Optimierung. Die Messtechnik wurde ebenso reduziert wie Anzahl und Länge der Rohrleitungen. Zudem wurde die Wasseraufbereitung überarbeitet und ein neues Brennwertgerät eines Baxi-Schwesterunternehmens integriert.
Das neue System verfügt über eine elektrische Leistung von 1 kW. Diese Leistungsreduzierung von zuvor 1,5 kWel wurde infolge einer weiteren Optimierung des Produktionsverhältnisses von Strom zu Wärme möglich. Guido Gummert, Geschäftsführer der Baxi Innotech, erklärte: „Damit können wir häufiger im Nennlastpunkt fahren.“ Die GAMMA 1.0 kann 100 Prozent des Warmwasser- und Heizbedarfs und knapp drei Viertel des Strombedarfs von Einfamilienhäusern abdecken. Eine erste Kleinserie zur Marktvorbereitung soll ab Oktober 2009 in den Feldtest gehen.
Der deutsche Heizgerätehersteller Vaillant zeigte gemeinsam mit seinem US-amerikanischen Partner Plug Power ebenfalls einen neuen Heizgeräteprototypen. Im März 2009 war gerade ein Projekt mit umfangreichen Labortests an den Hochtemperatur-PEM-Systemen zu Ende gegangen, in dessen Rahmen das Gesamtvolumen der Anlage um 33 % reduziert werden konnte. Die Stackleistung liegt derzeit bei 4,6 kW. Alexander Dauensteiner, Leiter Produktmanagement Brennstoffzellen, räumte jedoch ein: „Die Leistungsdichte ist bei HT-PEM noch nicht da, wo sie bei der Entwicklung der NT-PEM schon war.“ Weitere Arbeiten seien daher notwendig, weshalb das Personal um vier Mitarbeiter aufgestockt wurde.
Ein weiterer Mitbewerber und ebenfalls IBZ-Mitglied hat sich indes aus der aktiven Entwicklungsarbeit an Brennstoffzellenheizgeräten verabschiedet. Viessmann stellte seine Forschungsarbeiten vorläufig ein und zog sich aus dem so genannten 800-Keller-Programm Callux zurück. Das Potential der gesamten Mikro-KWK-Technik stuft Viessmann zwar als äußerst hoch ein. Der Marktzugang der Brennstoffzellentechnik würde im Hausenergieversorgungsbereich aber wohl erst nach 2015 stattfinden, so die Einschätzung von Viessmann. Der hohe finanzielle Aufwand für Entw
icklungsarbeiten sowie das derzeit damit verbundene Risiko haben das Unternehmen dazu bewegt, sich zunächst auf den Stirlingmotor zu konzentrieren, da hier bereits für 2012 mit einer Marktreife gerechnet wird. Dr. Jürgen Pawlik, Projektleiter in der Abteilung Neue Technologien, betonte jedoch, dass die Mitgliedschaft in der Initiative Brennstoffzelle bewusst aufrecht erhalten würde. Er schloss auch ausdrücklich einen Wiedereinstieg in die Brennstoffzellentechnik zu einem späteren Zeitpunkt nicht aus.
Die meisten Firmen der Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Branche zeigten sich hinsichtlich der weiteren Entwicklung vorsichtig optimistisch. Die aktuelle Wirtschaftskrise war zwar auch in Hannover eines der Hauptthemen, aber bei näherer Nachfrage nach der Entwicklung im eigenen Unternehmen gab es meist positive Rückmeldungen. Die Zeit der Bastellösungen scheint vorbei zu sein. Viele Zulieferfirmen verbuchen steigende Absatzzahlen. Fast alle haben innerhalb der vergangenen Wochen und Monate neue Mitarbeiter eingestellt, um der verstärkten Nachfrage sowohl auf der Entwicklungs- als auch auf der Fertigungsseite nachkommen zu können.
Autor & Foto: Sven Geitmann
 Redaktion
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