 | Thema Fahrzeuge & Mobilität vom 16.04.2009 @ 17:14:33 CEST
Tanker mit umweltfreundlichem Zusatzantrieb
Überall muss gespart werden, weil die Treibstoffe immer teurer werden. Das ist in der Schifffahrt nicht anders, vor allem weil die großen Dieselmotoren doch einige Liter pro gefahrene Seemeile verbrauchen. Dort macht man sich jetzt Technologien zunutze, die eigentlich aus dem Freizeitsport stammen. Der Zugdrachen zum Beispiel spart in jedem Fall größere Mengen an Treibstoff. Das bringt nicht nur Vorteile beim Gewinn des Reeders, der diese Technologie bei seinen Schiffen einsetzt, sondern schont auch gleichzeitig die Umwelt. Je weniger Treibstoff verbrannt werden muss, desto weniger Kohlendioxid wird in die Atmosphäre geblasen.
Wie funktioniert nun aber so ein Zugdrachen? Am Bug des Schiffes wird eine Seilwinde angebracht. Sie dient dem Zugdrachen gleichzeitig als Start- und Landesystem. Dieses Seil ist mit einer Steuergondel verbunden, an der wiederum der eigentliche Drachen befestigt ist. Der Drachen ist mit der Steuergondel mit vielen dünneren Seilen verbunden. Die Zahl der jeweils anzubringenden Steuerseile beträgt immer mindestens das Doppelte der im Drachen vorhandenen Luftkammern. Damit kann man den Bogen bestimmen, in dem sich der Drachen aufbläst und so einerseits den Drachen möglichst optimal vor dem Schiff positionieren und ihn genau zum Wind ausrichten, so dass er immer mit größtmöglicher Effektivität ziehen kann. Damit fungiert die Steuergondel quasi als Pilot für den Drachen. Die eigentliche Steuereinheit setzt sich aus einem Computer mit spezieller Software und kleinen Elektromotoren mit Vor- und Rücklauf zusammen, die mit kleinen Winden gekoppelt sind.
Die zu erzielende Auftriebs- und Vortriebskraft berechnet sich aus den Newtonschen Gesetzen und wird einerseits durch den Druck der Luft auf den Drachen und den jeweiligen Anstellwinkel beeinflusst. Andererseits spielt auch die Fläche des eingesetzten Drachens eine Rolle. Jede Fläche setzt der durch den Wind in Bewegung gebrachten Luft einen Widerstand entgegen. Das erkannten schon die ersten Seeleute, die auf ihren Schiffen Segel anbrachten, um sich das mühselige Rudern und Paddeln von Hand zu ersparen. Hier geht man auch davon aus, dass mit einer größeren Segelfläche größere Massen befördert werden können und man mit der Segelstellung die Geschwindigkeit beeinflussen kann, was in nahezu identischer Form auch auf den Zugdrachen zutrifft.
Als Laie stellt man es sich ziemlich kompliziert vor, den Zugdrachen aufsteigen zu lassen und nach Gebrauch wieder einzuziehen. Doch damit haben die Matrosen fast gar nichts zu tun, weil hier eine intelligente Steuerautomatik eingreift. Der Mast, von dem aus der Zugdrachen aufgelassen wird, besitzt eine Steuereinheit, bei der die Steuerseile des Drachens zentimeterweise frei gegeben werden, so dass sich die Kammern langsam mit Luft auffüllen, ehe man das Seil langsam weiter ausfährt, bis der Zugdrachen die Höhe erreicht hat, in der er optimale Bedingungen vorfindet und die größte Zugkraft auf
das Schiff ausüben kann. Beim einholen des Zugdrachens für Schiffe verfährt man genau umgekehrt. Er wird langsam an das Schiff herangeholt. Anschließend wickeln die Steuerwinden die Steuerseile immer weiter auf, bis der Zugdrachen sich langsam zusammen faltet und in die dafür vorgesehene Kapsel in der Start- und Landevorrichtung eingezogen wird. Der dazu notwendige Mast kann komplett versenkt werden, so dass er außerhalb der Betriebszeiten die Deckarbeiten nicht behindert.
Der Zugdrachen wird bevorzugt bei den Öltankern eingesetzt. Sie fahren in niedrigen Geschwindigkeitsbereichen, in denen der Zugdrachen die größte Effektivität bietet. Stückgutfrachter müssen Termine einhalten und sind deshalb mit höheren Geschwindigkeiten auf den Weltmeeren unterwegs. Dort sind die Zugdrachen wenig rentabel. Man geht inzwischen davon aus, dass auf Grund der sich künftig immer schneller erhöhenden Treibstoffpreise der Zugdrachen für die Reeder immer interessanter wird. Es werden also in den nächsten Jahren immer mehr Tanker auf den Weltmeeren zu sehen sein, denen ein Zugdrachen vorneweg fliegt. Sicher ein gewöhnungsbedürftiger Anblick, der aber Vorteile für Umwelt und Geldbeutel bringt.
Schlagworte: Seefahrt Zugdrache, Alternativer Antrieb Zugdrache, Info Zugdrache, News Öltanker, neue Segel, Windenergie für Öltanker
 ab_oak-media
|
| | | LINKTIPPS | 
|
| ARTIKEL BEWERTUNG | Durchschnitt: 0 Stimmen: 0
|
|
Fahrzeuge & Mobilität
|
|