 | Thema Brennstoffzellen vom 14.11.2008 @ 09:18:11 CET
Brennstoffzellenentwicklung unabhängig von Ölpreisschwankungen
Sowohl die konventionelle als auch die alternative Energiewirtschaft sind derzeit einem heftigen Wechselbad der Gefühle unterzogen. Kannte der Ölpreis innerhalb der vergangenen vier Jahre vorrangig nur eine Richtung – nach oben –, scheint jetzt eine Kehrtwende eingetreten zu sein. Der Preis für ein Barrel Öl kostete im Juli 2008 noch fast 150 US-Dollar. Innerhalb nur weniger Monaten ist er nun wieder gesunken auf zeitweise weniger als 60 Dollar. Ewig wird er dort aber nicht verweilen...
Die Zeiten überteuerten Öls scheinen damit vorbei zu sein. Ein Nebeneffekt davon dürfte sein, dass Gleiches auch für Erdgas gelten wird, denn schließlich gilt die Faustregel, dass der Gaspreis etwa um sechs Monate zeitversetzt dem Ölpreis nacheilt. Vorerst herrscht also Entwarnung im konventionellen Energiegeschäft.
Gründe für diesen Wandel gibt es viele, trotzdem sind logische Erklärungsansätze Mangelware. Auch über die Ursachen der zuvor hohen Preise gab es viele Mutmaßungen, aber kaum jemand kannte die wahren Hintergründe für die Preisrallye. So ist es auch jetzt wieder. Waren es die Spekulanten? Oder sollten die Ressourcen tatsächlich schon am Ende sein? Wir werden es wohl nie erfahren.
Für die Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Branche waren diese Hintergründe so lange nicht von Bedeutung, wie die Vorzeichen bei der Ölpreisentwicklung positiv waren und die Energiekosten stiegen. So lange konnte sich die Branche fast täglich über wachsendes Interesse an der alternativen Energietechnik freuen. Die Diskussion über die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern hatte den Schritt aus den Konferenzsälen in die Öffentlichkeit geschafft und erstreckte sich zeitweise über fast alle Bevölkerungsschichten. Seit jedoch die Entwicklung negativ ist, die Wachstumsquote bei den Rohölpreisen also mit einem Minuszeichen versehen ist, verliert auch die Debatte über Alternativtechniken an Aktualität und dadurch auch an Vehemenz. Der Ruf nach Wasserstoff und Brennstoffzellen wird wieder schwächer.
Für die Erneuerbare-Energien-Branche, die Solarfirmen und Windbauern, ist diese Entwicklung nicht so dramatisch, denn diese ist mittlerweile etabliert und kann seit Jahren wachsende Umsätze verzeichnen. In der Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Branche hingegen sieht es nicht ganz so gut aus: Im Brennstoffzellensegment gibt es bisher kaum marktreife Produkte, und Wasserstoff ist noch längst kein gängiger Energiespeicher. Diese neuen Bereiche sind somit weitaus stärker von den wirtschaftspolitischen Schwankungen betroffen.
Die Entwicklung in der konventionellen Energiewirtschaft ist alles andere als gut vorhersehbar. Noch vor kurzem prophezeiten Analysten Barrelpreise von 200 US-Dollar – zwischenzeitlich stand aber nun die Frage im Raum, wie tief sie noch fallen würden. Fatih Birol, Chef-Ökonom der Internationalen Energie-Agentur (IEA), sah eine untere Grenze bei 80 Dollar, weil in diesem Bereich seiner Meinung nach die durchschnittlichen Produktionskosten für ein Fass Öl liegen. Aber auch dies war letztendlich nur eine Schätzung und wurde bereits von der Realität eingeholt.
Die Weiterentwicklung der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnik sollte jedoch nicht abhängig sein von derlei Preisschwankungen. Dieser Überzeugung waren jedenfalls mehrere Redner und auch Gäste des 3. Niedersächsischen Brennstoffzellentages, der am 29. Oktober 2008 in Hannover stattfand. Ein Schub durch hohe Ölpreise ist für diese neue Technik zwar eine willkommene Unterstützung, aber längst keine Voraussetzung mehr. Er birgt sogar gewisse Gefahren, nämlich dann, wenn in Zeiten der No
t voreilig auf Techniken zugegriffen wird, die eventuell noch gar nicht ausgereift sind.
Aus Gründen der zeitlich befristeten Verfügbarkeit werden die Preise früher oder später ohnehin wieder steigen. Dauerhaft wird der Ölpreis nicht unterhalb der 100-Dollar-Marke verweilen. Ein baldiger Wiederanstieg motiviert zwar stärker zum Energiesparen, ist aber kein Muss für die Etablierung der Brennstoffzellentechnik.
Autor: Sven Geitmann www.brennstoffzelle-nds.de
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