Thema Umwelt/ Energiesparen vom 14.04.2008 @ 11:19:47 CEST
Internationalen Energieagentur warnt vor Ölverknappung
Fatih Birol, Chefökonom der Internationalen Energieagentur (IEA), warnt in einem Interview mit der Zeitschrift "Internationale Politik" vor deutlichen Verknappungen von Erdöl auf dem Weltmarkt. "Wir sollten das Öl verlassen, bevor es uns verlässt", sagt Fatih Birol gegenüber "Internationale Politik". "Es hängt von den Regierungen ab, Maßnahmen zu ergreifen. Wir haben sie gewarnt." …
Mit seinen Aussagen bestätigt Fatih Birol die Analysen der Ludwig-Bölkow-Systemtechnik (LBST), die seit einem Jahrzehnt die Verfügbarkeit von Öl beobachtet und die mittel- und langfristig möglichen Ölförderraten auf Grund physischer Verknappung analysiert. In ihrer viel beachteten Studie für die Energy Watch Group kam die LBST im Oktober 2007 zu dem Schluss, dass die Weltölförderung im Jahr 2006 ihr Maximum überschritten hat und auf Grund der physischen Verknappung kontinuierlich sinken muss.
Birol warnt vor einem deutlichen Auseinanderklaffen von Angebot und Nachfrage, für das er drei Gründe identifiziert: "Das Hauptproblem ist […] dreifacher Natur: Geologie, Investitionen, Produktionspolitik der Hauptförderländer." Für eine ausreichende Versorgung des Marktes würden genau 12,5 Millionen Barrel pro Tag fehlen. Das seien rund 15 Prozent des Weltölbedarfs. "Diese Lücke bedeutet", so Birol, "dass wir in den nächsten Jahren eine Lieferklemme und sehr hohe Preise erleben könnten."
Die im Oktober 2007 veröffentlichte LBST-Studie für die Energy Watch Group "Crude Oil - the Supply Outlook" kommt zu dem Ergebnis, dass die Ölförderung nach dem Maximum 2006 schnell sinken wird (siehe Grafik in vollständiger Meldung unter http://www.netinform.net/H2/Aktuelles_Detail.aspx?ID=1436): "Das wichtigste Ergebnis ist der steile Abfall der Ölversorgung nach dem Maximum", so das Fazit der Studie. "Dieses Ergebnis, zusammen mit dem Zeitpunkt des Maximums, ist offensichtlich in scharfem Widerspruch zu den Projektionen der IEA." Das aktuelle Interview mit Fatih Birol markiert damit eine historische Kehrtwende in der Haltung der IEA.
Fatih Birol kündigt in dem Interview an, dass sich der nächste World Energy Outlook (WEO) der IEA, der im November 2008 erscheinen wird, deutlich von allen bisherigen unterscheiden wird. Die IEA wird sich zum ersten Mal detailliert mit den künftigen Produktionsmöglichkeiten in den wichtigen Ölregionen befassen. Diese Analyse wird zeigen, so Fatih Birol, dass die weltweite Ölförderung schon in naher Zukunft deutlich zurückgehen wird. "Meines Wissens wird es die erste umfassende öffentliche Studie sein, in der wir unser Denken darüber überprüfen und revidieren, wie viel Öl und Gas auf den Markt kommt. Dabei werden etliche Leute neue Schlussfolgerungen ziehen."
Auf die Frage nach seinem Wissen über die für die Weltversorgung entscheidenden Ölreserven im Mittleren Osten, die nach den Analysen der LBST wahrscheinlich um 50 Prozent überschätzt werden, erwidert Birol: "Eine Hauptaussage, die ich vom WEO 2008 erwarte, ist mehr Transparenz in Bezug auf die Ölreserven, sowohl der staatlichen Ölgesellschaften als auch der internationalen Ölgesellschaften. […] Im Moment fliegen wir fast blind und brauchen dringend mehr Klarsicht!"
Autor: Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH
Foto: Internationale Politik
 Redaktion
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