 | Thema Investment & Finanzierung & Förderung vom 14.11.2007 @ 12:04:58 CET
Ölmenge runter – Ölpreis hoch
Die Spritpreise haben unlängst erneut einen deutlichen Sprung nach oben gemacht. Im Durchschnitt stieg der Preis für einen Liter Benzin oder Diesel um 10 Cent an. Ein Grund dafür dürfte die Meldung der Energy Watch Group gewesen sein, die bereits Ende Oktober im Londoner Auslandspresse-Club bekannt gegeben wurde. Darin hieß es, dass die weltweite Ölproduktion ihren Höhepunkt (Peak) bereits im Jahr 2006 überschritten hat und seitdem mit einigen Prozentpunkten pro Jahr zurückfällt…
Die globale Ressourcen-Studie, die von der Energy Watch Group vorgestellt wurde, befasst sich mit der globalen Ölversorgung, die – so ist nachzulesen – in den nächsten beiden Jahrzehnten dramatisch zurückgehen wird. Die dadurch entstehende Versorgungslücke wird auch durch die erhöhte Energieproduktion aus anderen fossilen oder atomaren und alternativen Quellen kaum so schnell geschlossen werden können, so heißt es. „Das alarmierendste Zeichen ist die steile Abnahme der Ölversorgung nach dem Peak", warnt Jörg Schindler von der Energy Watch Group.
Laut Industriedatenbank HIS (2006) werden die Weltölreserven auf 1.255 Gigabarrel geschätzt. Für die Energy Watch Group gibt es allerdings stichhaltige Gründe, diese Zahl für einige Regionen und Schlüsselländer zu korrigieren und daraus eine Schätzung von 854 Gigabarrel abzuleiten. Die Wissenschaftler der Energy Watch Group verlassen sich nicht in erster Linie auf Daten über Öl-Reserven, weil diese Angaben sich in der Vergangenheit häufig als unzuverlässig erwiesen haben, sondern gründen ihre Analyse hauptsächlich auf Produktionsdaten, die leichter zu verfolgen und auch zuverlässiger sind.
Dieser skeptische Energieausblick der Energy Watch Group entspricht den Aussagen des ehemaligen US-Verteidigungssekretärs und CIA-Direktors James Schlesinger vor kurzem auf einem Ölgipfel in Cork: „Die Schlacht ist vorbei, die Peak-Oil-Protagonisten haben gewonnen." Zuvor hatte sich auch König Abdullah von Saudi Arabien, der größte Ölproduzent der Welt, dazu geäußert: „Der Ölboom ist vorbei und wird nicht zurückkehren. Wir müssen uns alle an einen anderen Lebensstil gewöhnen."
Diese Ergebnisse der Studie und auch die Angaben über den Zeitpunkt des Peaks stehen allerdings in scharfem Kontrast zu d
en Projektionen und Prognosen der Internationalen Energie-Agentur (IEA). Die IEA bestritt bis vor kurzem, dass eine grundlegende Änderung der Energieversorgung in naher oder weiterer Zukunft wahrscheinlich sei. Hans-Josef Fell, Mitglied des Deutschen Bundestages, stellte dazu fest: „Die Botschaft der IEA, dass auch in Zukunft business as usual möglich sei, schickt ein diffuses Signal an die Märkte und verhindert damit Investitionen in die bereits vorhandenen Technologien der erneuerbaren Energien."
Die Energy Watch Group ist eine Initiative des Bundestagsabgeordneten Hans-Josef Fell und weiterer Parlamentarier aus anderen Ländern. Träger ist die Ludwig-Bölkow-Stiftung. In dem Projekt erarbeiten Wissenschaftler unabhängig von Regierungs- und Unternehmensinteressen Studien über fossile und atomare Ressourcen, Szenarien für erneuerbare Energien sowie Strategien für eine langfristig sichere Energieversorgung. Die Wissenschaftler analysieren in erster Linie ökonomische und technologische Zusammenhänge. Die Ergebnisse dieser Studien werden über die Fachkreise hinaus auch in die politisch interessierte Öffentlichkeit transportiert.
Autor: Sven Geitmann
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