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20 Jahre Windenergiepark Westküste

Thema: Windenergie | 06.09.2007 | Aufrufe: 6522 | Bewertung: (2 Bewertungen)

Heimlich, still und leise ist dieser Tage ein Jubiläum an uns vorübergegangen, das durchaus ein wenig mehr Beachtung verdient hätte: Vor fast genau 20 Jahren hat im Kaiser-Wilhelm-Koog, einem der windreichsten Gebiete Deutschlands, der erste deutsche Windenergiepark den Betrieb aufgenommen.

Bis zum heutigen Tage wird hier die Windenergie genutzt. Dabei hatte die Windkraft-Geschichte des Kaiser-Wilhelm-Koogs gar nicht so rühmlich angefangen, denn an diesem Standort ging bereits 1983 die „Große Windenergieanlage“, besser bekannt unter dem Kürzel GROWIAN, in Betrieb. Auf seiner Spitze saß in 100 Metern Höhe ein 340 Tonnen schweres Maschinenhaus mit zwei riesigen, 23 Tonnen schweren Rotorblättern. Insgesamt leistete die Anlage 3 MW, was für damalige Zeiten Weltrekord bedeutete. Allerdings ließen sich von der Materialseite her die gigantischen Ausmaße nicht in den Griff bekommen, sodass GROWIAN nach vier Betriebsjahren endgültig seinen Geist aufgab. Die Anlage erreichte somit lediglich eine traurige Berühmtheit als größter Fehlschlag in der Geschichte der Windenergie-Nutzung.

Wesentlich erfreulicher gestaltet sich da das Schicksal des Nachfolgeprojekts. 32 Windräder mit Leistungen zwischen 10 und 25 kW machten den Anfang. Geliefert wurden sie von drei unterschiedlichen Herstellern. Insgesamt erzielten sie eine Leistung von 1 MW. Bis 1994 kamen noch sechs weitere Anlagen mit insgesamt 1,4 MW hinzu. Heute produzieren im Kaiser-Wilhelm-Koog Windkraftanlagen mit einer Gesamtanschlussleistung von 26,5 Megawatt rund 78 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr. Das reicht, um 17.000 Haushalte zu versorgen.

Aber nicht nur bei der Stromerzeugung in Windparks leistete man im Kaiser-Wilhelm-Koog Pionierarbeit. Ebenso wichtig waren die Erkenntnisse, dass die verschiedenen Anlagen mit den rauen Witterungsverhältnissen und der salzhaltigen Nordseeluft sehr unterschiedlich zurechtkamen. Vor allem die Isolatoren nahmen hier häufig Schaden, was zu längeren Ausfallzeiten führen konnte. Auch die Geräuschentwicklung des Getriebes führte bei einem Anlagentyp zu Problemen: Die Rotorgondel musste schallisolierend verkleidet werden, und die Stahlrohrtürme wurden teilweise durch weniger schwingungsanfällige Betonmasten ersetzt. Die Tatsache, dass moderne Anlagen mittlerweile mit unfreundlichen Witterungsbedingungen vergleichsweise gut zurechtkommen, ist also nicht zuletzt auf die Erfahrungen aus der Pionierzeit zurückzuführen.

Sieht man sich dies alles an, kann man durchaus sagen, dass auf dem Kaiser-Wilhelm-Koog nach den anfänglichen herben Rückschlägen insgesamt eine Erfolgsgeschichte der Windenergie-Nutzung in Deutschland geschrieben wurde. Da hätten die Sektkorken anlässlich des Jubiläums ruhig ein wenig lauter knallen dürfen.

Autor: Jürgen Brück

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