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Solarenergie spätestens 2010 konkurrenzfähig

Thema: Photovoltaik | 05.04.2007 | Aufrufe: 7860 | Bewertung: (5 Bewertungen)

In sonnenreichen Regionen in Japan oder Kalifornien werden große Photovoltaikkonzerne bereits im Jahr 2010 in der Lage sein, Solarstrom für 11 Cent pro Kilowattstunde herzustellen. Aber auch in Süddeutschland sollte es dann möglich sein, den Strom für circa 15 Cent zu produzieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der PHOTON Consultiug.

Die beiden Analysten Joel Conkling und Michael Rogol, die federführend an der Studie beteiligt waren, gelten als intime Kenner der Branche. Sie beobachten ständig mehr als 1000 Unternehmen und unterhalten zu etwa 300 von ihnen enge Beziehungen. Ihre Aussagen fußen also auf einer soliden Basis und erscheinen keineswegs als aus der Luft gegriffen. Darüber hinaus haben sie die Ergebnisse der Marktanalyse den Vorständen einiger großer Solarunternehmen zur Begutachtung vorgelegt. Auch hier hat es keine Einwände gegen die Arbeit gegeben.

Im Zentrum der Studie mit dem Titel „The True Cost of Solar Power: 10 Cents/kWh by 2010“, die Anfang April in München vorgestellt wurde, stehen kristalline Solarzellen. Dabei gingen der komplette Prozesse von der Herstellung bis zur Montage der fertigen Module auf ein Gestell und den Anschluss an den Wechselrichter, also die komplette Produktionskette in die Berechnungen ein.

Die Ergebnisse lassen aufhorchen: Zum einen dürfte die Photovoltaik wesentlich schneller konkurrenzfähig werden, als man es bislang geglaubt hatte. So werde die Herstellung samt Installation der Anlagen und Lohnkosten im Jahr 2010 nur noch bei knapp 2100 € pro Kilowatt Leistung liegen. Im vergangenen Jahr schlugen diese Kosten noch mit fast 2900 € zu Buche. Demzufolge könnte ein durchschnittlicher Solarkonzern die Kilowattstunde Solarstrom, je nach Standort, für 10 bis 15 Cent erzeugen. An besonders günstigen Standorten in Spanien seien sogar Kosten von lediglich 9 Cent realistisch.

Das bedeutet dann, dass in sonnenreichen Ländern die Gestehungskosten für Solarstrom nicht nur deutlich unter den Preisen für Haushaltsstrom liegen, sondern auch mit jenen Kosten mithalten können, zu denen neu gebaute Braunkohlekraftwerke (die zu den billigsten Produzenten der fossilen Energiewirtschaft zählen) produzieren. Damit öffnet sich also für die Solarkonzerne die Perspektive auf einen gigantischen Markt.

Vor diesem Hintergrund wird die Nachfrage nach Solarstrom natürlich noch für lange Zeit das Angebot deutlich übersteigen. Hersteller, die möglichst viele Produktionsschritte im eigenen Haus erledigen, können also auf sehr gute Verdienste spekulieren, wie Rogol und Conkling betonen. Deshalb werde sich, so prognostizieren die beiden Experten weiter, die weltweite Produktion an Photovoltaikmodulen und -anlagen alle zwei Jahre verdoppeln. Für 2010 rechnen Sie mit einer weltweiten jährlichen Produktion von 15 Gigawatt, in diesem Jahr waren es knapp vier.

So rosig die Zeiten auch für die großen Solarunternehmen werden dürften, die Nachrichten für die Verbraucher sind nicht ganz so gut. „Die Preise für Solarstrom haben sich im Jahr 2004 von den Kosten abgekoppelt. Weil die Nachfrage weitaus größer ist als das Angebot, werden Kostensenkungen nicht mehr automatisch an die Kunden weitergegeben. Diese Situation dürfte noch mehrere Jahre so bleiben“, dämpft Michael Rogol hier die Erwartungen. So habe eine Anfang 2007 durchgeführte Markterhebung der Fachzeitschrift PHOTON ergeben, dass die Preise für Solarstromanlagen in Deutschland heute so hoch sind wie im Jahr 2004. Sie seien zwar in den letzen Monaten deutlich zurückgegangen, doch insgesamt betrachtet von 2004 bis 2007 nicht gesunken.

Gute und schlechte Nachrichten hält die Analyse also für Freunde der Erneuerbaren Energien bereit. Die Industrie darf sich freuen, die Verbraucher gucken zunächst in die Röhre. Allerdings sollte man nicht versuchen, die Stromkunden für dumm zu verkaufen und satte Gewinne einstreichen, während Otto-Normalverbraucher weiterhin tief in die Tasche greifen muss. Dann nämlich könnten sich die Prognosen doch noch als falsch herausstellen, weil plötzlich niemand mehr Solaranlagen auf dem eigenen Dach haben möchte.

Autor: Jürgen Brück
Bild: Brigitte Hiss; BMU

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