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Thema Geothermie/ Wärmepumpen vom 16.02.2007 @ 08:42:26 CET


Nachgefragt:Chancen und Risiken der Geothermie – Teil 2


Aktuelle Geothermie News Bei dem umstrittenen Geothermieprojekt in Kleinhüningen wurde das so genannte Hot-Dry-Rock-Verfahren angewendet. Axel Rogge erklärt im zweiten Teil des Interviews, wie dieses Verfahren funktioniert und warum – seiner Meinung nach – von ihm keine größeren Gefahren ausgehen.

Jüngst ist die Geothermie ein wenig in die Diskussion geraten. Im Zusammenhang mit einem Geothermieprojekt in Kleinhüningen ist es wiederholt zu leichten Erdbeben in Basel gekommen. Dort ist das so genannte Hot-Dry-Rock-Verfahren zum Einsatz ge-kommen. Wie funktioniert dieses Verfahren?
Bei dieser Technologie wird Wasser unter hohem Druck in eine Bohrung gepresst, um in gro-ßer Tiefe bereits vorhandene Gesteinsklüfte und –risse zu öffnen und damit die Wasserdurch-lässigkeit des Gesteins zu erhöhen. Das Risssystem verbindet als Wärmetauscherfläche zwei Tiefbohrungen hydraulisch miteinander. Über eine Injektionsbohrung wird kaltes Wasser ein-geleitet, erwärmt sich auf den heißen Gesteinsflächen und wird über die Förderbohrung der energetischen Nutzung zugeführt. Ein Vorteil dieser Technologie ist, dass die geothermische Energieerzeugung nicht mehr auf das Vorhandensein eines hochdurchlässigen thermalen Grundwasserleiters angewiesen ist, sondern standortunabhängig zum Einsatz kommen kann. Besonders für die geothermische Stromerzeugung, die sowohl höhere Temperaturen als auch größere Fließraten erfordert, als sie oftmals in den hydrogeothermalen Nutzhorizonten ange-troffen werden, ist der Einsatz dieser Technologie sehr gut geeignet, um langfristig gesehen das enorme geothermische Energiepotential der Tiefengesteine unterhalb 3000 Meter nutzen zu können.

Ist die Wahrscheinlichkeit, ein Erdbeben auszulösen, bei dem Hot-Dry-Rock-Verfahren höher als bei anderen Verfahren?
Durch die eingesetzten Stimulationsmaßnahmen zur Verbesserung der Wasserdurchlässigkeit des geothermischen Nutzhorizontes werden beim Hot-Dry-Rock-Verfahren sogar gezielt Er-schütterungen ausgelöst. Diese sind unentbehrlich, denn nur so ist es möglich, die neu ge-schaffenen Wasserwegsamkeiten zu orten, ihren Verlauf in der Tiefe zu verfolgen und so den Zielpunkt der zweiten Bohrung zu bestimmen. In der Regel können die mit der Öffnung von Klüften und Rissen verbundenen Knackgeräusche und Erschütterungen (seismische Signale) jedoch nur von hochempfindlichen geophysikalischen Messgeräten, von so genannten Ge-ophonen, in Bohrlöchern aufgezeichnet werden und sind an der Oberfläche weder spür- noch messbar. In vereinzelten Fällen – wie in Basel – können die Erschütterungen deutlich wahr-genommen werden. Schäden an Menschen und größere Schäde

n an Gebäuden sind praktisch auszuschließen. Bei weltweit Tausenden von vergleichbaren hydraulischen Versuchen in tie-fen Bohrungen der Erdöl- und Erdgasexploration und bei Geothermieprojekten sind bisher keine nennenswerten Schäden verzeichnet worden.

Seit dem ersten Beben Ende letzten Jahres gibt es unter Experten eine Diskussion, ob das Geothermie-Projekt ein stärkeres Erdbeben vielleicht verhindert hat oder als Auslöser für Beben anzusehen ist, die sonst niemals entstanden wären. Wie sehen Sie die Sache?
Im Raum Basel werden fast täglich natürliche Spannungslösungen in der Erdkruste als Mik-robeben aufgezeichnet. Es handelt sich um eine der seismisch aktivsten Zonen Mitteleuropas. Statistisch gesehen ereignen sich in der Region zwei deutlich spürbare Erdbeben pro Jahr. Die Stimulationsversuche im Geothermie-Projekt haben – streng genommen – die vorhandene natürliche Gebirgsspannung abgebaut und damit vermutlich ein bevorstehendes seismisches Ereignis vorweggenommen oder gegebenenfalls sogar ein größeres natürliches Erdbeben ver-hindert. Ein zusätzliches Gefährdungspotential ist durch die Maßnahmen nicht entstanden.

Autor: Jürgen Brück

J_Brueck













     
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