Zum Inhalt springen

Geothermie startet erfolgreich ins neue Jahr

Thema: Geothermie | 22.01.2007 | Aufrufe: 3151 | Bewertung: (2 Bewertungen)

Als ein „Musterbeispiel für die wirtschaftliche Nutzung erneuerbarer Energien in Deutschland“ sehen die Initiatoren eines Geothermie-Pilotprojektes in Unterhaching bei München ihr Projekt. Sie kommen zu diesem Schluss, nachdem nun die zweite tief Bohrung erfolgreich abgeschlossen wurde und die Ergebnisse die Erwartungen noch übertreffen konnten.

Die Temperatur bis in 3.577 Meter Tiefe gefunden Wassers beträgt 127°C, die Schüttungsrate (also die Menge an Wasser, die aus dieser Bohrung gefördert werden kann) beträgt 150 Liter pro Sekunde. Da die erste Bohrung ähnliche Werte ergeben hat, heißt das für ein später an dieser Stelle entstehendes Geothermie-Kraftwerk, das die komplette Wörterwassermenge aus der ersten Bohrung ohne weiteren Pumpaufwand in die Erde zurückgeführt werden kann. Das bedeutet auch, dass hierfür kein weiterer Strom benötigt wird. Solche Bedingungen tragen natürlich deutlich zur Wirtschaftlichkeit des Projektes, das immerhin derzeit das größte Vorhaben dieser Art in Deutschland ist, bei.

„Dies ist der Durchbruch für die Geothermie als alternative Energiequelle in Bayern“ zeigt sich Christian Schönwiesner-Bozkurt von Rödl & Partner, Leiter des Geothermieprojektes in Unterhaching, zufrieden. „Über 80 Städte, Gemeinden und Privatinvestoren, die vergleichbare Projekte planen, haben auf diesen Moment gewartet. Mit dem Erfolg der zweiten Bohrung ist der Beweis angetreten, dass das Molassebecken ein zuverlässiger Lieferant für die Energie- und Wärmeversorgung der Zukunft ist.“ Sein Unternehmen rechne allein in Bayern mit einem Investitionsvolumen von ca. 3,2 Milliarden Euro für die Geothermie in den kommenden Jahren.

Entstehen wird in Unterhaching eine ganz besondere Geothermie-Anlage. Die von der Firma Siemens entwickelte Anlage arbeitet nach dem so genannten Kalina-Prinzip, ein Wärmeaustauschverfahren zur Dampferzeugung auf einem niedrigen Temperaturniveau. Bei ihr wird nicht nur das aus der Tiefe stammende heiße Wasser in das örtliche Fernwärmenetz eingespeist, sondern es dient, je nach Bedarf, auch der Stromerzeugung. Insbesondere im Sommer, wenn nur wenig Fernwärme gebraucht wird, können so bis zu 3,36 MW elektrische Energie erzeugt und ins Stromnetz eingespeist werden. Diese Menge entspricht immerhin den Verbrauch von ungefähr 10.000 bundesdeutschen Durchschnittshaushalten.

Auch aus Neuruppin kommen Nachrichten von einer erfolgreich verlaufenen Probebohrung. Dort wurde in 1.650 Metern Tiefe eine Sandsteinschicht erschlossen, die 60°C warmes Wasser enthält. Hier können später stündlich circa 50 m³ Wasser gefördert werden. Das geförderte Thermalwasser soll dann mehrere im Seetorviertel entstehende Neubauten eines Hotel- und Thermalbadkomplexes beheizen. Da die Netzrücklauftemperaturen der Gebäude maximal 40 °C betragen werden, übernimmt der direkte Wärmetausch aus der geothermischen Quelle einen nennenswerten Anteil an der Wärmeversorgung. Aufgrund ihrer hervorragenden Eigenschaften wird die Sole auch stofflich im „Gesundbrunnen“ des angeschlossenen Hotel- und Wellnessresorts genutzt.

An beiden Standorten wurden die Erwartungen der Wissenschaftler erreicht oder sogar übertroffen. Das deutet daraufhin, dass viele Einschätzungen die Geothermie betreffend in der Vergangenheit recht vorsichtig gewesen sind und die Erdwärme künftig zu einer der zentralen Säulen bei der Energieversorgung werden könnte.

Autor: Jürgen Brück
Bild: Rödl & Partner

Diesen Artikel empfehlen:






Ähnliche Geothermie Artikel:

- Intelligente Haustechnik in Fahrzeugen
- Brennstoffzellen in Toyotas Autos

Ähnliche Fachberichte:

- Heizkosten im vergangenen Jahr gesunken - Gutschein Heizgutachten
- Hybridtechnik: Seit mehr als 20 Jahren in der Forschung



nutzlos nutzlos
brauchbar brauchbar
nützlich nützlich
interessant interessant
sehr interessant sehr interessant


Hier versenden Sie den Artikel Geothermie startet erfolgreich ins neue Jahr:

Name Absender

E-Mail Absender

Name Empfänger

E-Mail Empfänger

ANTI-SPAM Frage:
Welche Farbe hat ein türkisfarbener Himmel?


Expertenkreis - Energieeffizientes Bauen und Sanieren: Vorstellung von Produktinnovationen aus den Bereichen Dämmung, Heizung, Lüftung, Geothermie und Photovoltaik
07.11.2016 | 621 Aufrufe

Betriebsführungs- und Wartungsverträge für regenerative Stromerzeugungsanlagen
10.02.2016 | 805 Aufrufe

Neue Energie für die Wärmewende - ForschungsVerbund Erneuerbare Energien veröffentlicht Positionspapier
05.10.2015 | 663 Aufrufe

Erste geothermisch gespeiste Kälteanlage in Unterföhring in Betrieb
09.07.2015 | 437 Aufrufe

Anschlussleistung von GEOVOL Unterföhring steigt dank neuem Liefervertrag mit ProSiebenSat. 1 auf über 33 Megawatt
10.04.2015 | 694 Aufrufe