Thema Ökostrom vom 22.11.2006 @ 11:26:21 CET
Ökostrom im Aufwind
Immer mehr Bundesbürger und Gewerbebetriebe beziehen ihren Strom von Anbietern, die auf die erneuerbaren Energien Sonne, Wind, Wasser und Biomasse setzen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Zeitschrift Energie & Management (E&M), die kürzlich veröffentlicht wurde.
Demnach haben im Jahr 2005 mehr als 625.000 Privathaushalte und fast 42.500 Gewerbebetriebe Ökostrom den Vorzug geben. Der Gesamtabsatz des grünen Stroms betrug mindestens 3,57 Milliarden Kilowattstunden (kWh). Bei einem bundesweiten Stromverbrauch von 520 Milliarden kWh erscheint dieser Wert noch verschwindend gering, allerdings ist hier ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen. „Das Ökostromgeschäft ist auf dem Vormarsch, zwar noch unspektakulär, aber sehr kontinuierlich. Dieses Wachstum ist robust", fasst der für die Umfrage verantwortliche Redakteur Ralf Köpke die Ergebnisse zusammen.
Auch für die Zukunft werden weiter deutliche Zuwachsraten in der Ökostrom-Branche erwartet. Dafür ist nicht nur ein gesteigertes Umweltbewusstsein innerhalb der Bevölkerung verantwortlich, sondern ebenso deutliche Image-Einbrüche der dominierenden Energiekonzerne E.ON, RWE, Vattenfall Europe und Energie Baden-Württemberg (EnBW) in jüngster Zeit. Enorme Gewinne bei gleichzeitig steigenden Strompreisen, die fortgesetzten Versuche, den Atomkonsens auszuhebeln und der spektakuläre Stromausfall am ersten November-Wochenende dürften für einen zusätzlichen Auftrieb der Ökostrom-Branche sorgen.
„Das Ansehen von RWE und Co. befindet sich im Allzeittief. Gleichzeitig verstehen immer mehr Menschen und
Unternehmer, dass hierzulande niemand gezwungen ist, gefährlichen Atom- oder klimaschädlichen Kohlestrom bei den Marktführern zu beziehen", stellt auch Gerd Rosenkranz, der Leiter Politik und Öffentlichkeitsarbeit bei der Deutschen Umwelthilfe e. V. (DUH), fest und fährt fort: „Mit ihrer demonstrativen Abkehr von dem von ihnen selbst ausgehandelten Atomkonsens verspielen die Konzerne weiteren Kredit bei vielen Stromkunden. Atomstrom wird zu einer immer schwerer absetzbaren Ware, die Ökostromer hatten nie eine größere Chance, ihre Kunden- und Absatzzahlen deutlich auszubauen."
Die Mehrzahl der 170 im Rahmen der E&M-Erhebung befragten Ökostrom-Lieferanten geht von wachsenden Kunden- und Absatzzahlen, teilweise in zweistelliger Höhe aus. „Ökostrom überzeugt immer mehr Bundesbürger nicht zuletzt, weil das Gerücht ´Öko´ sei unbezahlbar inzwischen durch die Realität widerlegt ist", erläutert Köpke diese Annahme. Bereits heute befinden sich unter den 40 preiswertesten Stromangeboten für einen durchschnittlichen bundesdeutschen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 kWh 18 Anbieter von Ökostrom.
Autor: Jürgen Brück
Bild: Maren Beßler, PixelQuelle
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