 | Thema Geothermie/ Wärmepumpen vom 17.08.2006 @ 21:07:57 CEST
Die Nachfrage nach Geothermie war noch nie so groß wie heute
Angesichts weltweit steigender Energiepreise werden die Energieressourcen im eigenen Umfeld immer wichtiger und wirtschaftlicher. Dabei geht der Blick bei Kommunen und Projektentwicklern immer häufiger in immer größere Tiefen. In Regionen mit Thermalwasservorkommen, wie in Bayern oder im Oberrheintal werden in den kommenden Jahren neue Fernwärmenetze und Kraftwerke entstehen, die Erdwärme für ihre Bürger nutzen...
Erfolgsgeschichten, wie die des Geothermischen Heizwerks in Erding, motivieren nicht nur die nähere und weitere Umgebung. Die Erdinger bauen demnächst ihre zweite Anlage, um der steigenden Nachfrage nachkommen zu können.
Gleich drei neue geothermische Kraftwerke sollen 2007 in Deutschland ihren Betrieb aufnehmen: Bruchsal, Landau, Unterhaching. Im baden-württembergischen Neuried soll es zudem eine bisher äußerst seltene Kombination von Geothermie mit Biomasse geben. Am 5.08.06 erfolgte der erste Spatenstich in der 9.400 Seelen Gemeinde, um die Thermalwasservorkommen in Muschelkalk- und Buntsandsteinschichten in einer Tiefe von 2.500 bis 3.000 Metern zu erschließen. Die dort zu erwartenden Temperaturen liegen mit 115 °C bis 125 °C an der unteren Grenze der wirtschaftlichen Möglichkeiten einer geothermischen Stromerzeugung. Deswegen soll gleichzeitig eine Biogasanlage gebaut werden, die mit regionalen Rohstoffen betrieben werden wird. Diese ist als Kraft-Wärme-Kopplung ausgelegt, dessen Abwärme dem Geothermieteil zugeführt werden kann und damit die elektrische Leistung um bis zu 500 kW steigert. Mit der Inbetriebnahme des Gesamtsystems wird in 2008 gerechnet.
Aber auch im Rest der Welt ist viel los. Auf Sumatra, Indonesien, soll das weltweit größte Geothermiekraftwerk entsteht. Der indonesische Energieminister Purnomo hatte bereits 2005 die Absicht seines Landes verkündet, angesichts schwindender Öl- und Gasreserven und steigender Energienachfrage den Energiebedarf verstärkt aus den riesigen geothermischen Ressourcen decken zu wollen. Seitdem sind in Indonesien zahlreiche Vorhaben in Angriff genommen worden. Die bislang größte Anlage soll in Sarulla, Nord-Sumatra mit einer Leistung von rund 340 MW von einer Gruppe um die PT Medco Energi Internasional gebaut werden. Insgesamt sollen in das Vorhaben umgerechnet rund 470 Mio. Euro investiert werden.
"Bei uns," so Werner Bußmann von der GtV-BV-Geschäftstelle, "erkundigen sich immer mehr Kommunalverwaltungen, Bürgermeister und Ratsmitglieder aber auch Leitungen großer Betriebe nach den Möglichkeiten, die sich an ihren He
imat- bzw. Standorten mit der Nutzug der Erdwärme bieten. Die Nachfrage war noch nie so groß."
Das Informationsbedürfnis ist nicht minder groß. "Dabei hat die wirklich breite Diskussion darüber gerade erst richtig eingesetzt," konstatiert Bussmann. Im Vordergrund stehen immer die Probleme von Versorgungssicherheit, den Möglichkeiten, Energiekosten langfristig planbar zu gestalten und die Absicht, einen möglichst baldigen Ausweg aus der Energiepreisspirale zu finden.
Die Geothermie entwickelt sich wegen ihrer Beständigkeit und Unabhängigkeit der Energielieferung zu einem immer wichtigeren Kandidaten, bei dem die Lösung der Probleme gesucht wird. Allerdings gehört die Erschließung tiefer geothermischer Ressourcen für Kraftwerke und Fernwärmenetze von der Planung bis zu Realisierung zu den anspruchsvollsten Vorhaben, die das weite Feld der Erneuerbaren Energieträger für Ingenieure, Projektmanagement und Betreiber zu bieten hat. Große geothermische Projekte erfordern ein vernetztes Vorgehen der verschiedenen Disziplinen von der Geologie, über die Bohrtechnik bis zum Anlagenbau, von Planung, Projektsteuerung, Finanzierung und Deckung geologischer Risiken.
 Redaktion
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