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Thema Solarthermie (Solarwärme) vom 04.08.2001 @ 08:14:35 CEST


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Solvis-Solarfabrik: Neue Arbeitsplätze auf der grünen Wiese


Aktuelle Solarwärme News Lehrbuchreif ist der Planungsprozess des neuen Fabrikgebäudes der Firma Solvis in Braunschweig. Zuerst entwickelten die Mitarbeiter das Fertigungslayout nach den bewährten Solvis-Kriterien - möglichst geringe Hierarchien, maximale Nähe zwischen Kopf und Hand und beste Ausnützung regenerativer Energien. Erst im zweiten Schritt entwarfen die Architekten ein Gebäude, das diese Vorgaben erfüllt...

Bei einer Investition von 16 Mill. DM wollen und sollen alle Kommanditisten mitreden. Dies entspricht der Grundphilosophie des Mitarbeiter geführten Unternehmen Solvis Energiesyteme GmbH & Co KG in Braunschweig, das das Geschäftsjahr 2000 mit einem Umsatz von 26 Mill. DM abschloss. »Der Kollege vor Ort weiß am besten, wie sein Arbeitsplatz effektiv gestaltet sein muss«, formuliert es Henning Terschüren, Geschäftsführer des produzierenden Unternehmens Solvis Solarsysteme GmbH, fügt aber gleich hinzu: »Es ist ein hoher Anspruch bei unserem Arbeitspensum in 2000 gleichzeitig noch einen neuen Arbeitsplatz auf der grünen Wiese zu entwerfen.« Die ist immerhin 20.000 m2 groß und liegt im Industriegebiet Braunschweig-Nordhafen. Dort sollen bis Frühjahr 2002 insgesamt 8.150 m2 Büro- und Fertigungsfläche entsteht. Im Mai 2002 soll bereits in den neuen Räumen produziert werden. Den alten Firmensitz in der Marienberger Straße 1 gibt Solvis vollständig auf.

Die Ergebnisse des achtmonatigen intensiven Planungsprozesses wurden als Entwürfe des Architekturbüros banz & riecks aus Bochum bei der Feier des ersten Spatenstichs am 7. Juni vorgestellt. Dem Besucher des neuen Firmensitzes werden zunächst die über das Gebäude ragenden Tragkonstruktionen mit den eingehängten Kollektoren und PV-Modulen auffallen. Diese Konstruktion ist nicht nur ein Blickfang, sondern hat eine wichtige architektonische und energiesparende Funktion: die Minimierung der tragenden Bauteile und die Schaffung unterstützungsfreier Hallen für die Produktion. Das Tragwerk steht mit 14 Säulen auf den einzigen tragenden Wänden entlang des zentralen Erschließungsgangs, der im Kurzjargon unter den Mitarbeitern schlicht »Solvis-Gang« genannt wird. Daran sind auf beiden Seiten 27 Meter lange Holzbalken aufgehängt, die die Produktionsräume überspannen und die Statik übernehmen. Folglich können die Außenwände aus Holzrahmenbauelementen trotz gutem Wärmeschutz schlank gehalten werden.

Bewusst verzichteten die Solvis-Planer auf ein repräsentativen Bürotrakt getrennt von der Produktion. Vielmehr sind die Büroräume um einen Lichthof herum angeordnet und ermöglichen den direkten Blick in die Hallen Fertigung 1 (Speicher) sowie Fertigung 2+3 (Kollektoren). Auf der gegenüberliegenden Seite des Solvis-Ganges ist die Konfektionierung untergebracht. Verbunden sind Fertigung und Warenausgang über ein Lager mit einer so genannter Kanban-Steuerung, ein Warenleitsystem, das den Lagerbestand kontinuierlich mit Sollwerten vergleicht, so dass in der Fertigung entstehende Lücken direkt aufgefüllt werden können.

Eine weitere Besonderheit sind die im Solvis-Jargon als »Ohren« bezeichneten Ein- und Auslieferungsstellen an den Längsseiten des Gebäudes. Auch hier wurde auf optimale Energieeinsparung geachtet, schließlich soll das Gebäude mit 10 kWh/m2a Heizwärmebedarf auskommen. Beispiel Anlieferung: Die gutgedämmten Schnelllauftore schließen hinter dem eingefahrenen Lastwagen, so dass er innerhalb der Gebäudehülle in Ruhe entladen werden kann.

Die Ausstattung der zukünftigen Heizzentrale des Neubaus und die Deckung des Heizwärme- und Strombedarfs steht nicht endgültig fest, da über einen entsprechenden Förderantrag bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in Osnabrück noch nicht entschieden ist. Bisher ist eine Luftheizung über zwei SolvisMax geplant sowie reichlich Kollektoren und PV-Module auf dem Dach.

»Ins Produkt verliebt«

Platz bietet die Zukunftsfabrik für 50 neue Mitarbeiter, die laut Solvis-Energiesysteme-Geschäftsführer Helmut Jäger in den nächsten Jahren dazu kommen sollen: »Wir haben die Fabrik zunächst bis 2005 ausgelegt, dann könnten wir auch noch vergrößern.« Was also plant Solvis an neuen Produkten in nächster Zeit? Die Ölvariante des SolvisMax soll im Herbst 2001 erscheinen, der erste Schritt zum Rapsöl betriebenen Solar-Kessel. Im Frühjahr 2002 folgt laut Jäger der Pelletkessel in der Grundvariante des österreichischen Herstellers KWB – Kraft und Wärme aus Biomasse, jedoch mit eigener Solvis-Steuerung. Und als Drittes kündigt der Geschäftsführer an, dass im nächsten Jahr die Abstimmung von Kollektoren und PV-Modulen dahingehend zu verbessern, dass beide Technologien eine einheitliche Fläche auf oder im Dach bilden.

Die Braunschweiger rechnen in den nächsten Jahren mit einem 20-prozentigen Umsatzwachstum pro Jahr und sind sich bewusst, dass ihr Erfolg von den verkaufsbegeisterten Installations-Partnerbetrieben abhängt. Sind dort wie in der Zentrale »ausgeprägte Gesinnungstäter« am Werk, die »ins Produkt verliebt« sind, wie der Niedersächsische Umweltminister Wolfgang Jüttner über Helmut Jäger sagte, scheint der Erfolg außer Frage.


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