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Thema BHKW & KWK vom 18.05.2001 @ 18:45:55 CEST


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»Mit Kunden im Geschäfts sein«


Aktuelle BHKW/KWK News Ein Weg aus der Sackgasse der niedrigen Strompreise führt über Energie-Contracting. Geht der BHKW-Anbieter einen Schritt weiter, wird er zum Lieferanten von Energiedienstleistungen auf eigenes Risiko...

Der Blockheizkraftwerk-Anbieter haben reichlich Grund zu klagen. Die Strompreise sind durch die Strommarktliberalisierung im Keller, die Regierung kann sich nicht auf eine Quotenregelung einigen und die Gestaltung der Durchleitungsgebühren lässt immer noch zu wünschen übrig, da keine Regulierungsbehörde den großen Netzbetreibern und ehemaligen Monopolisten auf die Finger schaut. Doch trotz der Misere taucht das ein oder andere Projekt im BHKW-Sektor auf, das zur Hoffnung Anlass gibt. Das Neubaugebiet Börkhauser Feld in Solingen ist solch ein Vorhaben. Dort läuft seit Herbst 2000 ein comuna-metall-Modul des Typs 5450 (112 kWel/196 kWth) für die ersten 100 Wohneinheiten. Ihm wird ein weiteres Aggregat folgen. Im Endausbau mit 450 Wohneinheiten sollen die beiden Module über 90% des jährlichen Wärme- und Strombedarfs decken und dabei jährlich 850 t CO2 einsparen. Soweit sind die Rahmenbedingungen vergleichbar mit jedem anderen BHKW-Projekt. Das Besondere ist, dass hier der Herforder BHKW-Hersteller nicht nur ein Modul an ein Stadtwerk, einen Energieversorger oder ein Industrieunternehmen lieferte. Vielmehr ist comuna-metall vom Bauherrn, dem Spar- und Bauverein Solingen, beauftragt worden, als Generalunternehmer eine komplette Strom- und Nahwärmeversorgung mit Kraft-Wärme-Kopplung aufzubauen und anschließend auch zu betreiben. Damit führt das Herforder Unternehmen erstmals seine verschiedenen Kompetenzen in einem Projekt zusammen: Bereits mehrfach erhielt der Hersteller den Auftrag schlüsselfertige Heizzentralen zu errichten oder die Betriebsführung einer Heizzentrale im Sinne des Contracting zu übernehmen.

Das Projekt Börkhauser Feld in Solingen-Aufderhöhe geht einen Schritt weiter: Comuna metall tritt dort wie gehabt als Generalunternehmer auf, nur dass die Firma diesmal mit Eigenmitteln arbeitet. Somit ist das gesamte Nahwärme- und Stromversorgungssystem inklusive der Heizzentrale auf eigene Rechnung erbaut. Dieses Modell soll laut Geschäftsführer Herbert Even keine einmalige Geschichte bleiben. Vielmehr geht der Trend dorthin, statt Einzelprodukten Energiedienstleistungen als Systemlösungen zu verkaufen. Dazu wurde im Fall Solingen keine eigene Firma gegründet, sondern schlicht firmeneigenes Kapital in das 2,5-Mill.-Projekt gesteckt. Die Anfangsverluste können auf diese Art gut mit Überschüssen aus dem BHKW-Geschäft verrechnet werden.

Ein Fall für die Regulierungsbehörde

Die ökonomische Grundlage des Projektes Solingen beschriebt Herbert Even schlicht: »Mit Endkunden im Geschäft zu sein«. Wie sieht die Überschlagsrechnung aus. Ein solches BHKW kann bei heutigen Gaspreisen Strom für 10 bis 12 Pf/kWh erzeugen. Andererseits hat sich der Modullieferant verpflichtet, die Stromkunden im Börkhauser Feld mindestens zu den entsprechenden Haushaltstarifen der Stadtwerke Solingen zu beliefern, die – inklusive Grundpreis – gegenwärtig je nach Verbrauch zwischen 16 und 20 Pf/kWh (ohne Steuern und Abgaben) liegen. Diese Preis-Kosten-Differenz sowie die vom Auftraggeber bezahlten Baukostenzuschüsse bietet einen finanziellen Spielraum zur Finanzierung des installierten Strom- und Wärmenetzes. Bei der Wärmeversorgung musste sich comuna metall in der Planungsphase auf einen Wärmefestpreis für 15 Jahre festlegen, allerdings mit einer Preisleitklausel, durch die eine Steigerung der Gas- und Lohnkosten darf an die Kunden weitergegeben werden darf. »Wir sind bei unserer Ausgangs-Kalkulation mit 78 DM/MWhth – allerdings bei niedrigen Gaspreisen - auf der sicheren Seite«, zeigt sich Even optimistisch.

Als schwieriger erweisen sich die Verhandlungen mit dem Netzbetreiber. In den ersten Gesprächen boten die Stadtwerke Solingen lächerliche 1 Pf/kWh für den eingespeisten BHKW-Strom. Eigentlich ein Fall für eine Regulierungsbehörde, die leider bisher nicht existiert. »Solange den Energieversorgern niemand auf die Finger schaut, tanzen sie uns auf der Nase herum«, so das bittere Fazit von Herbert Even. Allerdings würde nur begrenzte Strommengen an das Stadtwerkenetz abgegeben. Nicht ganz einfach war auch die Suche nach einem Lieferanten für die rund 150 MWh/a Reststrombedarf, der nicht durch das eigenen BHKW gedeckt werden kann. Die Stadtwerke Solingen als örtlicher Versorger lagen in ihrem Preis 30 bis 40% über anderweitig möglichen Zusatzstromverträgen. Leider winkten auch die anderen von comuna metall angesprochenen Energieunternehmer ab:»Entweder wir bekamen kein Angebot - so war es bei einem der Großen der Branche, oder das Angebot kam viel zu spät, oder es war – nicht zuletzt wegen der noch immer hohen Komplexität der Netznutzung – nicht marktgerecht«, beschreibt Herbert Even die verfahrene Situation. In Punkto Netzung besteht also noch erheblicher Klärungsbedarf, obwohl das Energiewirtschaftsgesetz als rechtliche Grundlage bereits seit drei Jahren in Kraft ist.


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