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Thema Photovoltaik (Solarstrom) vom 28.08.2007 @ 09:04:00 CEST


Masdar - Die Wüste entdeckt das Solarzeitalter


Gründerzentren gibt es viele. Jede Stadt, die etwas auf sich hält, hat vermutlich bereits eines. Den Mut zum solaren Baugebiet haben da deutlich weniger Kommunen. Masdar ist anders. Bei Masdar wird die ganze Stadt zum "100%- Solaren-Gründerzentrums-Wohngebiet". Im Rahmen der Cityscape Abu Dhabi 2007 stellte das bekannte Londoner Architekturbüro Foster und Partner den Entwurf der ersten CO2-freien, 100% Solaren Industriestadt vor.

Die Idee zu diesem Projekt wurde bereits im April 2006 verkündet. Doch nun gibt es erste konkrete Pläne. Auf einer Fläche von 640 Hektar sollen im Endausbau bis zu 47.500 Menschen wohnen und arbeiten. Die Energieversorgung wird nur aus erneuerbaren Quellen erfolgen. Durch Recycling soll die Abfallmenge drastisch reduziert und der Bedarf an Trinkwasser soll um 80% gesenkt werden. Private Autos wird es in Masdar nicht geben und alle wichtigen Einrichtungen sollen in weniger als 200 Meter Entfernung zu finden sein. Man geht primär zu Fuß. So umreisst der Masdars "Stadtplaner", Lord Norman Foster, die wichtigsten Ziele.

Auf dem Gelände wird die Hauptinitiatorin, die Abu Dhabi Future Energy Company (ADFEC), ihren Firmensitz haben. In unmittelbarer Nachbarschaft soll das Masdar Institute of Science and Technology entstehen. Das Massachusetts Institute of Technology (MIT) wurde mit der Ausarbeitung von Lehrplänen für diese Universität beauftragt. Schwerpunkte der Ausbildung werden Energie- und Nachhaltigkeitstechnologien sein. Das Masdar Institute ist wiederum Teil des Masdar Research Network, einem internationalen Forschungsverbund aus derzeit sechs Partnern: Universität Aachen, Columbia University (USA), Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Imperial College London (UK), Tokyo Institute of Technology (Japan) und die University of Waterloo (Kanada).

Parallel dazu will man in Masdar bis zu 1.500 innovative Unternehmen ansiedeln. Von Seiten der Industrie konnte Masdar bereits einige namhafte Partner gewinnen: General Electric, BP, Shell, Mitsubishi, Rolls Royce, Total, Mitsui, Fiat und seit kurzem auch das deutsche Solarunternehmen Conergy. Anfang Juli wurde verkündet, dass die Masdar Initiative gemeinsam mit Conergy ein Solarkraftwerk mit 40 Megawatt Leistung aufbauen wird. Laut Norman Foster soll diese PV-Anlage zur Keimzelle der restlichen Stadt werden. Die Solarstrommodule werden nicht nur Schatten, sondern auch die Energie spenden, mit der die gesamte Stadt erbaut werden soll.

Die Stadt Masdar wird jedoch nicht nur energetisch eigenständig. Um die Ansiedlung ausländischer Firmen zu erleichtern, werden innerhalb der Stadt auch vollkommen andere (sprich: eher westliche) Gesetze gelten. Masdars "Grüne Gemeinde" ist eine spezielle Freihandelszone und auch deshalb durch eine Mauer vom Rest von Abu Dhabi abgetrennt. Masdar wird bei der Fertigstellung im Jahr 2009 somit auch kulturell und rechtlich eine "Insel".

Ein nachhaltiges Modell für die Region
Im Rahmen des World Future Energy Summit (WFES08), der vom 21 bis 23 Januar 2008 in Abu Dhabi abgehalten wird, sollen alle für die Stadt relevanten technischen Aspekte beleuchtet werden. Von der Abwasserreinigung über Solartechnologie bis hin zu nachhaltiger Mobilität steht alles auf dem Programm. Die Palette der rund 70 Redner reicht von Al Gore und seiner "Unbequemen Wahrheit" über Umweltminister Sigmar Gabriel mit dem "EEG-Erfahrungsbericht" bis hin zum "Peak-Oil Journalisten" David Strahan, der über den bevorstehenden Niedergang der weltweiten Erdölproduktion berichten wird.

Abu Dhabi, eines der sieben Emirate in den Vereinigten Arabischen Emiraten, verdankt 98% seiner Exporteinnahmen dem Erdöl. Aufgrund hoher Ölpreise schwimmt die Region derzeit im Geld. Doch das will weise angelegt werden. Selbst die Internationale Energieagentur (IEA) hat erst kürzlich darauf hingewiesen, dass Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum in den arabischen Ländern den Eigenbedarf an Öl rapide ansteigen lassen und deshalb – selbst bei gesteigerter Produktion

– immer weniger Erdöl für den Export übrig bleiben wird. Dank konsequenter "Erneuerbare Energien"-Strategie zeigt Masdar deshalb auch einen Weg zur langfristigen Sicherung von Öl-Exporten und "nachhaltigem" Geldsegen für das eigene Land.

Masdar ist kein PR-Gag oder Papiertiger. Der Schirmherr des Projektes, Kronprinz Sheikh Mohammad bin Zayed Al Nahyan, hat vielmehr erkannt, dass die Erneuerbaren Energien eine der Schlüsseltechnologien für die Zukunft seines Landes sind: "Wir wollen ein bedeutender Spieler bei den Erneuerbaren Energien werden, nicht nur als Investor sondern uns auch mit Forschung und Entwicklung und später auch mit der Produktion befassen". Sultan Al Jaber, der Leiter des Masdar Unternehmens, ist sich sicher: "Eines Tages werden alle Städte so gebaut sein wie diese"; also 100% Solar.

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http://www.masdaruae.com
http://www.wfes08.com

Quelle:
Tomi Engel
http://www.dgs.de

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